Roter Thun und Nachhaltigkeit: Die Geschichte eines wiedergefundenen Gleichgewichts

Über Jahrhunderte hinweg fingen die Küstengemeinden des Mittelmeerraums den Roten Thun während seiner Wanderung zu den Laichgebieten, in einem antiken Gleichgewicht, das vom Rhythmus des Meeres und von über Generationen weitergegebenen Techniken bestimmt wurde.
Diese Harmonie geriet zwischen den 1980er und 1990er Jahren ins Wanken, als die weltweit steigende Nachfrage, insbesondere im Zusammenhang mit Sushi, zu einem drastischen Rückgang der Bestände des Roten Thuns (Thunnus thynnus) führte und die Art an den Rand eines ernsthaften Zusammenbruchs trieb.
Die Regeln, die die Zukunft der Art verändert haben
Ab 2006 wurden auf internationaler Ebene immer strengere Managementmaßnahmen für die Fischerei auf Roten Thun eingeführt.
Zu den wichtigsten gehören:
- – die Reduzierung der Anzahl der Fischereifahrzeuge;
- – die Einführung von Fangquoten;
- – die Bekämpfung der illegalen Fischerei;
- – stärkere Kontrollen entlang der gesamten Lieferkette.
Diese Maßnahmen wurden von Organisationen wie der ICCAT (Internationale Kommission zur Erhaltung der Atlantischen Thunniden) koordiniert und markierten einen Wendepunkt im Management dieser Art.
Fast zwanzig Jahre nach Beginn des Erholungsplans zeigen die jüngsten Daten ein bedeutendes Ergebnis: Der Bestand des Roten Thuns im Ostatlantik und im Mittelmeer gilt nicht mehr als überfischt.
Die Fangmethoden: Der Unterschied liegt im Ansatz

Nicht alle Fangtechniken haben die gleichen Auswirkungen auf die Meeresumwelt.
Es gibt selektive und nachhaltige Methoden wie die Leinenfischerei, das Angeln mit der Rute und die traditionellen Tonnaren, darunter die ortsfeste Tonnara (Tonnara fissa). Diese ermöglichen es, Beifang auf ein Minimum zu reduzieren und das Ökosystem zu schonen
Die Tonnara fissa von Carloforte, eine der wenigen noch aktiven im Mittelmeer, stellt eines der ältesten existierenden Fangsysteme für den Roten Thun dar.
Hier folgt die Fischerei noch immer dem natürlichen Rhythmus des „Laufs“ der Thune: Zwischen dem Frühjahr und dem Frühsommer kehren die Exemplare in die Gewässer zurück, in denen sie geboren wurden, um sich fortzupflanzen – auf Routen, die sich seit Jahrhunderten wiederholen.
Das System der Tonnara besteht aus einer Reihe von „Kammern“, die durch Netze miteinander verbunden sind und die Thune entlang eines präzisen Pfades leiten. Dank der Erfahrung des Rais und der Tonnarotti werden die Fische schrittweise von einer Kammer zur nächsten begleitet, bis hin zur finalen Phase des Fangs.
Diese Methode ermöglicht ein sorgsames und bewusstes Ressourcenmanagement: Sie erlaubt es, die Exemplare zu selektieren, jüngere Tiere freizulassen und die Auswirkungen auf das marine Ökosystem zu minimieren.
In jeder Saison werden ganze Schwärme von Thunfischen unter 30 kg in die Freiheit entlassen, was entscheidend zur Erhaltung der Art beiträgt.
Ein anerkanntes Engagement
Die Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeit betrifft nicht nur die Phase des Fangs, sondern die gesamte Lieferkette – vom Meer bis zum Endprodukt.
Der Thunfisch aus Carloforte wird vom BCD-Zertifikat (Bluefin Catch Document) begleitet, einem echten „Personalausweis“, der seine Herkunft bescheinigt und die Rückverfolgbarkeit entlang des gesamten Weges garantiert.
Hinzu kommen wichtige internationale Zertifizierungen, die einen verantwortungsvollen und transparenten Ansatz bestätigen: ECOCREST®, das ein umweltverträgliches Fischereisystem und ein nachhaltiges Ressourcenmanagement anerkennt, sowie Friend of the Sea, einer der weltweit führenden Standards für den Schutz der Meeresumwelt und der Fischbestände.
Tradition und Zukunft
Die Nachhaltigkeit des Roten Thuns ist kein endgültiges Ergebnis, sondern eine Stabilität, die über die Zeit aufgebaut und bewahrt werden muss.
Sie erfordert Regeln, Kontrollen und Bewusstsein. Aber auch den Respekt vor antiken Praktiken, die noch heute ihre gesamte Aktualität unter Beweis stellen.
In Carloforte nimmt dieses Gleichgewicht jede Saison aufs Neue Gestalt an – zwischen Erfahrung, Sorgfalt und einer tiefen Verbindung zum Meer, die sich Tag für Tag erneuert.